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Hausnotruf: Funktion, Kosten & Zuschuss der Pflegekasse
Wohnen & Technik · 24. Juni 2026

Hausnotruf: Funktion, Kosten & Zuschuss der Pflegekasse

Wie ein Hausnotruf funktioniert, für wen er sich lohnt und wie die Pflegekasse die Kosten als technisches Pflegehilfsmittel übernimmt.

Andreas Rothermund
7 Min Lesezeit

Es war ein Sturz im Badezimmer, der bei uns alles veränderte. Meine Mutter lebt allein, und an jenem Abend lag sie fast zwei Stunden auf dem Fliesenboden, bis ein Nachbar zufällig klingelte. Seitdem trägt sie einen kleinen Sender am Handgelenk – und ich schlafe wieder ruhiger. Genau das leistet ein Hausnotruf: Er gibt Menschen, die allein oder zeitweise allein zu Hause leben, im Notfall schnelle Hilfe und im Alltag ein Stück Sicherheit zurück.

In diesem Ratgeber erkläre ich Ihnen aus eigener Erfahrung, wie ein Hausnotruf technisch funktioniert, für wen er sinnvoll ist und – das ist für viele Familien die wichtigste Frage – unter welchen Voraussetzungen die Pflegekasse die Kosten übernimmt.

Wie funktioniert ein Hausnotruf?

Das System besteht aus zwei Teilen. In der Wohnung steht eine Basisstation, die per Telefonanschluss oder Mobilfunk mit einer rund um die Uhr besetzten Notrufzentrale verbunden ist. Dazu kommt ein kleiner Funksender, den die pflegebedürftige Person als Armband oder als Kette um den Hals trägt. Im Notfall genügt ein Knopfdruck – egal ob am Sender oder an der Basisstation.

Sobald der Knopf gedrückt wird, baut die Station eine Sprechverbindung zur Notrufzentrale auf. Die Mitarbeitenden dort sehen die hinterlegten Daten, sprechen über die laute Freisprechanlage mit der Person und entscheiden, welche Hilfe nötig ist: einen Anruf bei Angehörigen, das Verständigen eines Pflegedienstes oder im Ernstfall den Rettungsdienst. Viele Anbieter hinterlegen einen Schlüssel, damit Helfer auch dann in die Wohnung kommen, wenn niemand öffnen kann.

Praktisch ist, dass die Verbindung auch dann zustande kommt, wenn die Person nicht mehr antworten kann. Reagiert nach dem Auslösen niemand, geht die Zentrale automatisch vom Ernstfall aus und schickt Hilfe. Bei uns hat sich gezeigt: Allein das Wissen, jederzeit einen Knopf drücken zu können, hat meiner Mutter viel von ihrer Angst genommen.

Der Sender ist bewusst einfach gehalten – meist gibt es nur einen einzigen, gut tastbaren Knopf. Das ist wichtig, denn in einer Notlage zählt jede Sekunde, und komplizierte Technik wäre fehl am Platz. Die Geräte sind außerdem wasserdicht, sodass der Sender auch unter der Dusche getragen werden kann. Genau dort, im Bad, passieren erfahrungsgemäß die meisten Stürze. Aufgeladen oder mit Batterie betrieben hält der Sender in der Regel viele Monate, und die Basisstation überwacht den Ladezustand selbst und meldet sich, bevor der Akku leer wird.

Für wen ist ein Hausnotruf sinnvoll?

Ein Hausnotruf richtet sich vor allem an Menschen, die allein oder zeitweise allein leben und bei denen ein erhöhtes Risiko für Stürze oder gesundheitliche Notlagen besteht. Typische Situationen sind:

  • Seniorinnen und Senioren, die selbstständig in der eigenen Wohnung bleiben möchten
  • Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Epilepsie
  • Personen mit eingeschränkter Mobilität oder erhöhter Sturzgefahr
  • Pflegebedürftige, die tagsüber phasenweise allein sind, weil Angehörige arbeiten

Wichtig zu wissen: Auch wer einen Angehörigen im Haushalt hat, kann profitieren – etwa, wenn diese Person berufstätig ist und die pflegebedürftige Person über Stunden allein bleibt. Mehr zu den Voraussetzungen finden Sie in unserem Überblick zu den Pflegegraden.

Aus meiner Erfahrung als pflegender Angehöriger kann ich sagen: Der größte Gewinn ist nicht nur die schnelle Hilfe im Ernstfall, sondern die psychische Entlastung – für beide Seiten. Meine Mutter fühlt sich nicht mehr ausgeliefert, und ich kann zur Arbeit gehen, ohne ständig in Sorge zu sein. Diese Sicherheit ist oft der entscheidende Grund, warum ältere Menschen länger selbstständig in den eigenen vier Wänden bleiben können, statt früher in eine Einrichtung zu ziehen.

Kosten und Zuschuss der Pflegekasse

Der Hausnotruf zählt zu den technischen Pflegehilfsmitteln. Das bedeutet: Für Anspruchsberechtigte – in der Regel ab Pflegegrad 1, wenn die Person allein oder zeitweise allein lebt – übernimmt die Pflegekasse die Kosten. Konkret werden eine einmalige Anschlussgebühr sowie eine monatliche Grundgebühr von rund 25,50 € (Stand 2025) übernommen.

Leistung Übernahme durch die Pflegekasse
Einmalige Anschlussgebühr wird übernommen
Monatliche Grundgebühr (Basispaket) rund 25,50 € (Stand 2025)
Voraussetzung i. d. R. ab Pflegegrad 1, allein oder zeitweise allein lebend
Antrag bei der Pflegekasse

Den Antrag stellen Sie bei der Pflegekasse – das geht meist formlos oder über ein einfaches Formular des Anbieters, der die Abrechnung dann direkt mit der Kasse vornimmt. Zusatzleistungen, die über das Basispaket hinausgehen (zum Beispiel ein Sturzsensor, eine regelmäßige Tagestaste oder die Schlüsselhinterlegung mit Vor-Ort-Service), sind häufig nicht im Kassenpaket enthalten und müssen privat bezahlt werden. Es lohnt sich, vorher genau zu fragen, welche Leistungen das Basispaket abdeckt.

Liegt noch kein Pflegegrad vor, muss zunächst ein Pflegegrad beantragt werden, damit die Pflegekasse die Kosten übernehmen kann. Wer keinen Pflegegrad hat oder die Voraussetzungen nicht erfüllt, kann den Hausnotruf trotzdem privat buchen – die monatlichen Kosten liegen dann je nach Anbieter und Paket meist im niedrigen zweistelligen Bereich. Für viele Familien ist das angesichts der gewonnenen Sicherheit eine überschaubare Investition.

Worauf Sie bei der Anbieterwahl achten sollten

Auch wenn dieser Ratgeber keine konkreten Anbieter empfiehlt, gibt es einige sachliche Kriterien, die Ihnen bei der Auswahl helfen: Achten Sie darauf, dass die Notrufzentrale rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche besetzt ist und über deutschsprachiges, geschultes Personal verfügt. Klären Sie, wie schnell im Ernstfall Hilfe organisiert wird und ob eine Schlüsselhinterlegung möglich ist. Fragen Sie nach den Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen sowie danach, welche Leistungen genau im von der Kasse bezahlten Basispaket enthalten sind und welche extra kosten.

Praxisbeispiel: So lief der Antrag bei uns

Meine Mutter hat Pflegegrad 2 und lebt allein. Wir haben bei einem Anbieter angerufen, der innerhalb weniger Tage die Basisstation installiert und gleichzeitig den Antrag bei der Pflegekasse eingereicht hat. Wir mussten lediglich den Pflegegrad nachweisen. Seitdem trägt sie das Armband den ganzen Tag, und die monatliche Grundgebühr läuft direkt über die Kasse. Für das Basispaket zahlen wir privat nichts dazu.

Hausnotruf im Zusammenspiel mit weiteren Leistungen

Ein Hausnotruf ersetzt keine Pflege, ergänzt sie aber sinnvoll. Wer zu Hause versorgt wird, kombiniert ihn oft mit weiteren Leistungen – etwa dem Entlastungsbetrag oder einem ambulanten Pflegedienst. Auch andere Pflegehilfsmittel wie Haltegriffe oder ein höhenverstellbares Bett lassen sich mit einer Wohnraumanpassung verbinden, damit die eigene Wohnung insgesamt sicherer wird.

Hinweis: Die genannten Beträge haben den Stand 2025/2026. Die Höhe der monatlichen Pauschale kann sich bei künftigen Anpassungen ändern; maßgeblich ist die jeweils aktuelle Festlegung der Pflegekassen.

Quellen: Bundesministerium für Gesundheit (bundesgesundheitsministerium.de), § 40 SGB XI (Pflegehilfsmittel), Verbraucherzentrale. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Pflege- oder Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Ab welchem Pflegegrad zahlt die Pflegekasse den Hausnotruf?

In der Regel ab Pflegegrad 1, wenn die pflegebedürftige Person allein oder zeitweise allein lebt und deshalb im Notfall auf schnelle Hilfe angewiesen ist. Der Hausnotruf gilt als technisches Pflegehilfsmittel.

Welche Kosten übernimmt die Pflegekasse genau?

Für Anspruchsberechtigte werden die einmalige Anschlussgebühr sowie eine monatliche Grundgebühr von rund 25,50 € (Stand 2025) für das Basispaket übernommen. Zusatzleistungen wie ein Sturzsensor müssen oft privat bezahlt werden.

Wie stelle ich den Antrag?

Den Antrag stellen Sie bei Ihrer Pflegekasse. Viele Anbieter übernehmen die Abwicklung direkt und rechnen mit der Kasse ab; Sie müssen meist nur den Pflegegrad nachweisen.

Funktioniert der Hausnotruf auch, wenn ich nicht mehr sprechen kann?

Ja. Reagiert die Person nach dem Auslösen nicht, geht die Notrufzentrale vom Ernstfall aus und schickt Hilfe. Über eine hinterlegte Schlüsselregelung können Helfer auch in die Wohnung gelangen, wenn niemand öffnet.

Brauche ich einen Festnetzanschluss?

Nicht zwingend. Viele Basisstationen arbeiten alternativ über Mobilfunk, sodass auch Haushalte ohne klassischen Festnetzanschluss einen Hausnotruf nutzen können.

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