
DiPA: Digitale Pflegeanwendungen – Anspruch & Kosten 2026
DiPA nach § 40a SGB XI: bis zu 40 € im Monat plus 30 € für Unterstützung. Wer Anspruch hat, wie der Antrag läuft – und der ehrliche Stand des Verzeichnisses.
Digitale Pflegeanwendungen (DiPA) sind Apps und Webanwendungen, die Pflegebedürftige zu Hause unterstützen sollen – etwa mit Übungen zur Sturzprävention oder mit Gedächtnistraining bei Demenz. Den Anspruch regelt § 40a SGB XI, die Beträge stehen in § 40b SGB XI.
Die Pflegekasse erstattet für eine gelistete DiPA bis zu 40 € im Monat. Für ergänzende Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst kommen nach § 39a SGB XI bis zu 30 € monatlich hinzu. So weit die Theorie – in der Praxis hat die Sache derzeit einen entscheidenden Haken, den wir in diesem Ratgeber ehrlich einordnen. Stand: Oktober 2026.
Was sind digitale Pflegeanwendungen?
DiPA sind Anwendungen für Smartphone, Tablet oder den Internetbrowser, die einen nachgewiesenen pflegerischen Nutzen haben müssen: Sie sollen Beeinträchtigungen der Selbständigkeit mindern oder einer Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit entgegenwirken. Gedacht sind sie sowohl für Pflegebedürftige selbst als auch für pflegende Angehörige, die eine Anwendung gemeinsam mit dem pflegebedürftigen Menschen nutzen.
Typische Einsatzfelder, die der Gesetzgeber vor Augen hatte, sind zum Beispiel:
- Übungsprogramme zur Sturzprävention, etwa Gleichgewichts- und Krafttraining mit angeleiteten Videoeinheiten
- Gedächtnis- und Alltagstraining für Menschen mit Demenz
- Angeleitete Übungen für Mobilität und Selbständigkeit, die Pflegebedürftige und Angehörige gemeinsam durchführen
- Anwendungen für pflegende Angehörige, die die häusliche Versorgung stabilisieren oder die Pflegeperson entlasten (§ 40a Abs. 1a SGB XI)
Genauso wichtig ist, was ausdrücklich keine DiPA ist. Nicht erstattungsfähig sind Anwendungen, deren Zweck in Wissensvermittlung, Information oder Kommunikation liegt – also etwa reine Schulungsvideos, Nachschlagewerke oder Messenger für die Absprache mit dem Pflegedienst.
Ebenso fallen Programme für die Arbeitsorganisation von Pflegediensten heraus, außerdem Anwendungen, die nur dem allgemeinen Lebensbedarf dienen oder mit denen Leistungen beantragt und verwaltet werden (§ 40a Abs. 1a SGB XI). Ist eine DiPA zugleich ein Medizinprodukt, muss sie einer niedrigen Risikoklasse angehören (§ 40a Abs. 1b SGB XI).
Wichtig zur Einordnung: Eine DiPA ist reine Software. Geräte wie ein Hausnotruf oder ein Pflegebett zählen dagegen zu den technischen Pflegehilfsmitteln und laufen über eigene Regelungen mit anderen Beträgen.
Wer hat Anspruch auf eine DiPA?
Anspruchsberechtigt sind Pflegebedürftige aller Pflegegrade (1 bis 5), die zu Hause versorgt werden. Das ist bemerkenswert, denn schon mit Pflegegrad 1 besteht der volle Anspruch – ähnlich wie beim Entlastungsbetrag. Falls Sie unsicher sind, ob bei Ihnen ein Pflegegrad infrage kommt, hilft unser Pflegegrad-Rechner bei der ersten Einschätzung.
Drei Voraussetzungen nennt § 40a SGB XI. Erstens muss die Anwendung im offiziellen DiPA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet sein – nur dann ist sie erstattungsfähig. Zweitens muss die Kostenübernahme bei der Pflegekasse beantragt und von dieser bewilligt werden.
Drittens ist die erstmalige Bewilligung befristet, und zwar auf höchstens sechs Monate. Noch innerhalb dieser Frist prüft die Pflegekasse, ob Sie die Anwendung nutzen und ob sie in Ihrer Situation den beabsichtigten Zweck erreicht. Fällt die Prüfung positiv aus, muss die Kasse eine unbefristete Bewilligung erteilen – ein neuer Antrag ist dafür nicht erforderlich (§ 40a Abs. 2 SGB XI). Eine ärztliche Verordnung brauchen Sie nicht; das unterscheidet die DiPA von vielen anderen Leistungen.
Kostenübernahme: Diese Beträge zahlt die Pflegekasse
Die Höhe der Leistung regelt § 40b SGB XI. Danach bestehen zwei getrennte monatliche Ansprüche: die Erstattung der DiPA selbst und ergänzende Unterstützungsleistungen nach § 39a SGB XI. Letztere bedeuten, dass ein zugelassener ambulanter Pflegedienst Sie bei der Nutzung der Anwendung begleitet – etwa beim Einrichten des Tablets oder bei den ersten Übungseinheiten.
| Leistung | Rechtsgrundlage | Betrag pro Monat |
|---|---|---|
| Erstattung der digitalen Pflegeanwendung | § 40a, § 40b SGB XI | bis zu 40 € |
| Ergänzende Unterstützungsleistungen durch einen ambulanten Pflegedienst | § 39a, § 40b SGB XI | bis zu 30 € |
Beide Beträge gelten je Kalendermonat und sind nicht gegeneinander verrechenbar. Kostet eine Anwendung mehr als 40 € im Monat oder buchen Sie erweiterte Zusatzfunktionen, tragen Sie die Mehrkosten selbst. Die Pflegekasse muss Sie über solche Eigenanteile vorab barrierefrei in schriftlicher oder elektronischer Form informieren.
Die DiPA-Erstattung ist ein eigener Leistungsanspruch – sie wird nicht mit Ihrem Pflegegeld verrechnet. Einen Überblick, welche Leistungen Ihnen insgesamt zustehen, gibt unser Pflegeleistungs-Rechner.
Das DiPA-Verzeichnis beim BfArM: der ehrliche Zwischenstand
Jetzt zum angekündigten Haken: Bis in den Sommer 2026 war das DiPA-Verzeichnis beim BfArM leer. Keine einzige Anwendung hatte das Prüfverfahren vollständig durchlaufen – zu hoch waren offenbar die Hürden beim Nachweis des pflegerischen Nutzens, beim Datenschutz und bei der Wirtschaftlichkeit für die Hersteller. Der Anspruch aus § 40a SGB XI bestand also auf dem Papier, lief praktisch aber ins Leere.
Aus unserer eigenen Pflegeerfahrung wissen wir, wie groß die Lücke zwischen einem Anspruch im Gesetz und dem, was im Pflegealltag tatsächlich ankommt, sein kann – die DiPA ist dafür derzeit leider ein Paradebeispiel.
Immerhin gibt es Bewegung: Kann ein Hersteller den pflegerischen Nutzen noch nicht belegen, darf er seine Anwendung für bis zu zwölf Monate vorläufig zur Erprobung in das Verzeichnis aufnehmen lassen (§ 78a Abs. 6a SGB XI). Dafür muss er eine plausible Begründung und ein wissenschaftliches Evaluationskonzept einer herstellerunabhängigen Institution vorlegen. Reichen die Ergebnisse am Ende noch nicht, kann das BfArM die Erprobung um bis zu zwölf weitere Monate verlängern; ein zweites Mal vorläufig aufnehmen darf es die Anwendung dagegen nicht.
Ob inzwischen erste Anwendungen gelistet oder zur Erprobung aufgenommen sind, sehen Sie tagesaktuell im öffentlichen DiPA-Verzeichnis auf der Website des BfArM. Eine laufende Erprobung ist dort eigens gekennzeichnet. Fragen Sie im Zweifel direkt bei Ihrer Pflegekasse nach, bevor Sie eine Anwendung buchen.
Bis dahin gilt: Nutzen Sie die Leistungen, die heute schon funktionieren. Zum Beispiel die Pauschale von 42 € monatlich für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, bequem organisiert über eine Pflegebox, oder einen Hausnotruf für mehr Sicherheit in der eigenen Wohnung.
DiPA und DiGA: Was ist der Unterschied?
Häufig werden DiPA mit den digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) verwechselt – den „Apps auf Rezept“. Der Unterschied liegt im Kostenträger und im Zweck: DiGA sind Medizinprodukte nach § 33a SGB V, die bei Krankheiten helfen, etwa bei Rückenschmerzen, Depressionen oder Diabetes.
Sie werden vom Arzt oder Psychotherapeuten verordnet (oder von der Krankenkasse genehmigt) und von der Krankenkasse bezahlt. Das DiGA-Verzeichnis ist – anders als das DiPA-Verzeichnis – bereits seit Jahren mit zahlreichen Anwendungen gefüllt.
DiPA richten sich dagegen an Pflegebedürftige, sollen die Pflegesituation verbessern und laufen über die Pflegekasse – ganz ohne Rezept. Für Sie praktisch relevant: Steht hinter Ihrem Anliegen eine Erkrankung, kann schon heute eine DiGA über die Krankenkasse infrage kommen. Sprechen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt darauf an.
So beantragen Sie eine DiPA bei der Pflegekasse
Sobald erste Anwendungen gelistet sind, ist der Weg unkompliziert: Sie (oder eine bevollmächtigte Person) stellen einen formlosen Antrag auf Kostenübernahme bei der Pflegekasse und benennen die gewünschte Anwendung aus dem DiPA-Verzeichnis. Die Kasse prüft und bewilligt zunächst für bis zu sechs Monate. Bewährt sich die Anwendung in dieser Zeit, wird die Bewilligung unbefristet.
Ein Beispiel, wie das künftig ablaufen kann: Frau M. (Pflegegrad 3) ist nach einem Sturz unsicher auf den Beinen und traut sich kaum noch allein durch die Wohnung. Sobald eine Trainings-App zur Sturzprävention gelistet ist, stellt ihre Tochter den Antrag bei der Pflegekasse. Die Kasse bewilligt die Anwendung für sechs Monate und übernimmt bis zu 40 € monatlich.
Weil Frau M. mit dem Tablet wenig Erfahrung hat, richtet eine Mitarbeiterin ihres Pflegedienstes die App ein und begleitet die ersten Übungseinheiten. Diese Unterstützung rechnet der Dienst als ergänzende Leistung mit bis zu 30 € im Monat direkt mit der Kasse ab. Vor Ablauf des halben Jahres fragt die Kasse nach: Frau M. übt dreimal pro Woche, ihr Gangbild ist stabiler geworden – die Bewilligung gilt von nun an unbefristet, ohne dass die Tochter erneut einen Antrag stellen muss.
Unser Rat: Lassen Sie sich vom derzeit leeren Verzeichnis nicht entmutigen, aber auch nichts verkaufen. Apps, die nicht im DiPA-Verzeichnis stehen, werden von der Pflegekasse nicht erstattet – egal, was ein Anbieter verspricht. Fragen Sie im Zweifel immer zuerst bei Ihrer Pflegekasse nach.
Einen Überblick über alle finanziellen Hilfen und rechtlichen Ansprüche gibt unser Ratgeber Pflege, Recht & Geld: Alle Hilfen im Überblick.
Stand und Quellen
Stand: Oktober 2026. Quellen: § 40a SGB XI, § 40b SGB XI, § 39a SGB XI (ergänzende Unterstützungsleistungen), § 78a SGB XI (Verzeichnis und Erprobung), § 7a SGB XI (Pflegeberatung), Bundesministerium für Gesundheit, BfArM – Digitale Pflegeanwendungen. Alle Angaben ohne Gewähr; maßgeblich ist der Bescheid Ihrer Pflegekasse.
Häufige Fragen
Was ist eine digitale Pflegeanwendung (DiPA)?
Eine DiPA ist eine App oder Webanwendung, die Pflegebedürftige zu Hause unterstützt, etwa mit Sturzpräventions-Training oder Gedächtnisübungen bei Demenz. Sie muss einen pflegerischen Nutzen nachweisen und im offiziellen Verzeichnis des BfArM gelistet sein. Rechtsgrundlage ist § 40a SGB XI.
Welche Apps gelten nicht als DiPA?
Ausgenommen sind Anwendungen, deren Zweck in Wissensvermittlung, Information oder Kommunikation liegt – also etwa Schulungsvideos, Nachschlagewerke oder Messenger. Auch Programme für die Arbeitsorganisation von Pflegediensten, für den allgemeinen Lebensbedarf sowie für die Beantragung und Verwaltung von Leistungen zählen nicht dazu (§ 40a Abs. 1a SGB XI). Entscheidend bleibt am Ende immer, ob die Anwendung im DiPA-Verzeichnis steht.
Wie viel zahlt die Pflegekasse für eine DiPA?
Die Pflegekasse erstattet nach § 40b SGB XI bis zu 40 € im Monat für die Anwendung selbst. Zusätzlich stehen bis zu 30 € monatlich für ergänzende Unterstützungsleistungen durch einen ambulanten Pflegedienst zur Verfügung, etwa für Hilfe beim Einrichten und bei den ersten Übungen. Höhere Kosten tragen Sie selbst.
Welche DiPA sind aktuell im BfArM-Verzeichnis gelistet?
Bis in den Sommer 2026 war das DiPA-Verzeichnis leer, es wurde bislang keine Anwendung dauerhaft aufgenommen. Hersteller können ihre Anwendung aber für bis zu zwölf Monate vorläufig zur Erprobung listen lassen (§ 78a Abs. 6a SGB XI), sodass mit ersten Einträgen zu rechnen ist. Den tagesaktuellen Stand erfahren Sie im DiPA-Verzeichnis des BfArM oder bei Ihrer Pflegekasse.
Brauche ich für eine DiPA ein Rezept vom Arzt?
Nein, eine ärztliche Verordnung ist nicht nötig. Sie beantragen die Kostenübernahme formlos direkt bei Ihrer Pflegekasse. Die erstmalige Bewilligung ist auf höchstens sechs Monate befristet; nutzen Sie die Anwendung und erreicht sie ihren Zweck, muss die Kasse anschließend unbefristet bewilligen, ohne dass Sie einen neuen Antrag stellen.
Wer berät mich zu digitalen Pflegeanwendungen?
Erste Adresse ist Ihre Pflegekasse, denn sie entscheidet über den Antrag. Unabhängig davon haben Sie Anspruch auf eine kostenfreie Pflegeberatung nach § 7a SGB XI; auch Pflegestützpunkte beantworten Fragen zu digitalen Pflegeanwendungen. Zusagen von Herstellern oder Verkäufern ersetzen die Bewilligung der Kasse nicht.
Was ist der Unterschied zwischen DiPA und DiGA?
DiGA sind Gesundheits-Apps auf Rezept nach § 33a SGB V. Sie helfen bei Krankheiten und werden von der Krankenkasse bezahlt. DiPA richten sich an Pflegebedürftige, sollen die Pflegesituation verbessern und laufen ohne Rezept über die Pflegekasse. Das DiGA-Verzeichnis ist bereits gut gefüllt, das DiPA-Verzeichnis dagegen noch nicht.