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Pflegepraxis & Pflegewissen · 7. September 2026

Pergamenthaut: dünne Altershaut richtig pflegen und schützen

Wenn die Haut so dünn wird, dass sie bei jeder Berührung einreißt: Was hinter Pergamenthaut steckt und wie sich Verletzungen vermeiden lassen.

6 Min Lesezeit · Aktualisiert: 23. September 2026

Als Pergamenthaut bezeichnet man eine extrem dünne, trockene
und verletzliche Altershaut. Stand: 2026. Sie wirkt fast
durchscheinend, fühlt sich papierartig an und reißt schon bei geringer Reibung
ein — etwa beim Anziehen eines Strumpfes oder beim Abnehmen eines Pflasters. In
der häuslichen Pflege ist sie ein unterschätztes Thema, weil die entstehenden
Wunden schlecht heilen und leicht zum Einstieg für Infektionen werden.

Warum die Haut so dünn wird

Mit dem Alter verändert sich die Haut auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Die
Oberhaut wird dünner, die Zahl der elastischen Fasern nimmt ab, die Talg- und
Schweißdrüsen produzieren weniger, und die Verbindung zwischen Ober- und Lederhaut
flacht ab — dadurch verschieben sich die Schichten leichter gegeneinander, was
die typischen Einrisse und Blutergüsse erklärt.

Neben dem Alter selbst gibt es Faktoren, die den Prozess deutlich
beschleunigen:

Faktor Wirkung
Kortison, innerlich oder als Salbe über lange Zeit Verdünnt die Haut erheblich — der stärkste beeinflussbare Faktor
Blutverdünnende Medikamente Schon kleine Stöße führen zu großflächigen Blutergüssen
Jahrzehntelange Sonnenbelastung Schädigt die Kollagenstruktur dauerhaft
Flüssigkeitsmangel Die Haut verliert zusätzlich an Spannkraft
Mangelernährung Zu wenig Eiweiß und Mikronährstoffe verschlechtern Aufbau und Heilung
Häufiges Waschen mit Seife Entfernt den ohnehin knappen Fettfilm

Die letzten drei Punkte sind die guten Nachrichten dieser Liste, weil sie sich
im Pflegealltag unmittelbar beeinflussen lassen. Zum Thema Ernährung siehe auch
Mangelernährung.

Die richtige Hautpflege

Bei Pergamenthaut gilt ein einfacher Grundsatz: weniger waschen, mehr
pflegen
. Das widerspricht der Intuition vieler Angehöriger, ist aber
fachlich klar.

Beim Waschen reicht in der Regel eine tägliche Reinigung der
Gesicht-, Achsel- und Intimregion; der übrige Körper braucht nicht täglich Wasser
und Seife. Lauwarm statt heiß, kurz statt ausgiebig, und statt herkömmlicher Seife
ein rückfettendes, pH-neutrales Waschprodukt oder ein Waschöl. Anschließend nur
abtupfen, niemals rubbeln — besonders sorgfältig in Hautfalten, weil Restfeuchte
dort die Haut zusätzlich schädigt. Weitere Hinweise unter
Körperpflege.

Beim Eincremen sind rückfettende Produkte mit Harnstoff
(Urea, üblicherweise fünf bis zehn Prozent) oder Glycerin bewährt. Sie werden am
besten direkt nach dem Waschen auf die noch leicht feuchte Haut aufgetragen, weil
so Feuchtigkeit eingeschlossen wird. Wichtig ist die Regelmäßigkeit: einmal
täglich konsequent bringt mehr als dreimal in der Woche gründlich. Auf offenen
oder entzündeten Stellen wird nicht gecremt, dort gehört eine Wundversorgung hin.

Von innen zählt vor allem ausreichendes Trinken und eine
eiweißreiche Ernährung. Beides ist bei älteren Menschen häufig unzureichend und
wirkt sich direkt auf Hautzustand und Wundheilung aus.

Verletzungen vermeiden

Die meisten Einrisse entstehen bei alltäglichen Handgriffen und sind
vermeidbar:

  • Beim Umlagern und beim Transfer heben statt ziehen — Reibung
    über das Laken ist die häufigste Ursache für Hauteinrisse. Gleitmatten und
    Rutschtücher nehmen die Scherkräfte auf.
  • Keine herkömmlichen Pflaster auf gefährdete Haut. Beim
    Abziehen reißt die Oberhaut mit. Stattdessen Schlauchverbände, Netzverbände oder
    silikonhaltige Pflaster verwenden, die sich schmerzfrei lösen.
  • Beim Pflegen und Anziehen auf Ringe, Uhren und lange Fingernägel
    achten — auf Pflegendenseite ebenso wie beim Betroffenen.
  • Kanten und Ecken entschärfen: Bettgitter polstern,
    Rollstuhlteile abpolstern, scharfe Möbelkanten sichern.
  • Lange, weiche Kleidung schützt Arme und Beine mechanisch.
    Auch Armlinge oder Schutzstrümpfe kommen infrage.

Wenn die Haut doch eingerissen ist

Solche Wunden — fachlich Skin Tears — sehen dramatischer aus, als sie meist
sind, brauchen aber die richtige Versorgung. Wichtig ist, den abgelösten
Hautlappen nicht zu entfernen: Er wird vorsichtig mit einer
angefeuchteten Kompresse zurückgeklappt, weil er als natürliche Wundauflage
dient und die Heilung deutlich beschleunigt.

Anschließend wird die Wunde mit steriler Kochsalzlösung gereinigt und mit einer
nicht klebenden, feuchthaltenden Auflage versorgt, die mit einem Schlauch- oder
Netzverband fixiert wird — kein Pflaster direkt auf der Haut. Die Richtung, in
die der Verband später abgezogen werden soll, wird am besten mit einem Pfeil
markiert.

Ärztlich vorgestellt werden sollten großflächige oder stark blutende Wunden,
Wunden mit Zeichen einer Infektion — Rötung, Wärme, Eiter, zunehmender Schmerz —
sowie alle Wunden, die nach etwa einer Woche keine Heilungstendenz zeigen. Bei
chronischen Verläufen ist eine fachliche
Wundversorgung angezeigt. Bei blutverdünnenden
Medikamenten ist besondere Aufmerksamkeit geboten.

Blutergüsse: harmlos oder Warnzeichen?

Großflächige, dunkle Blutergüsse an Unterarmen und Handrücken gehören zum
typischen Bild der Pergamenthaut. Sie entstehen, weil die Gefäße im dünnen Gewebe
kaum noch abgestützt werden, und sie wirken oft dramatischer, als sie sind — bei
Menschen unter blutverdünnender Medikation genügt ein leichtes Anstoßen.

Aufmerksam werden sollte man dennoch in drei Fällen: wenn Blutergüsse ohne
jeden erinnerlichen Anlass in großer Zahl neu auftreten, wenn sie mit
Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder Blut im Urin einhergehen, oder wenn ihre
Verteilung ungewöhnlich ist — etwa an Oberarmen, Rumpf oder im Gesicht. Dann
gehört das ärztlich abgeklärt, unter anderem im Hinblick auf die
Gerinnungswerte.

Was im Pflegealltag konkret zu tun ist

Für die tägliche Praxis lässt sich das Vorgehen auf wenige feste Punkte
bringen, die sich gut in den Ablauf einbauen lassen:

Wann Was
Täglich beim Waschen Haut an Armen, Beinen, Steiß und Fersen bewusst anschauen — neue Einrisse, Rötungen, Blutergüsse
Direkt nach dem Waschen Rückfettende Pflege auf die noch feuchte Haut auftragen
Bei jedem Transfer Heben statt ziehen, Gleitmatte einsetzen, auf Schmuck und Nägel achten
Vor jedem Verbandwechsel Ablösendes Pflaster verwenden, Abziehrichtung beachten
Wöchentlich Kanten, Bettgitter und Rollstuhlteile auf Polsterung prüfen

Stand und Quellen

Stand: September 2026. Hautpflege und Schutz vor Einrissen folgen dem Expertenstandard zur Hautintegrität; die Druckentlastung dem Expertenstandard Dekubitusprophylaxe.

Quellen: DNQP: Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der Pflege (Auszug, PDF), DNQP: Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege, 2. Aktualisierung (Auszug, PDF).

Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine pflegefachliche Anleitung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis, im Notfall an die 112. Was der Pflegedienst oder die Pflegekasse im Einzelfall leisten, klären Sie direkt dort.

Häufige Fragen

Kann sich Pergamenthaut wieder erholen? Die altersbedingte
Verdünnung selbst ist nicht rückgängig zu machen. Der Zustand lässt sich aber
deutlich verbessern: Konsequente rückfettende Pflege, ausreichendes Trinken und
eine eiweißreiche Ernährung machen die Haut über Wochen spürbar geschmeidiger und
widerstandsfähiger. Wo langfristig Kortison eine Rolle spielt, lohnt das Gespräch
mit dem behandelnden Arzt über Dosis und Alternativen.

Welche Creme ist die richtige? Wichtiger als das konkrete
Produkt ist die Regelmäßigkeit. Bewährt sind rückfettende Präparate mit Harnstoff
oder Glycerin ohne Duft- und Konservierungsstoffe. Auf offenen Stellen und bei
bekannten Unverträglichkeiten gilt die ärztliche Empfehlung.

Zahlt die Kasse die Hautpflege? Übliche Pflegeprodukte sind
in der Regel selbst zu tragen. Übernommen werden dagegen Hilfsmittel wie
Schlauchverbände und Wundauflagen bei bestehender Wunde sowie die
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch
bei anerkanntem Pflegegrad.

Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Behandlung.

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