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Körperpflege und Hautpflege in der Pflege: Grundlagen für Angehörige
Pflegepraxis & Pflegewissen · 9. Juli 2026

Körperpflege und Hautpflege in der Pflege: Grundlagen für Angehörige

Waschen, Intim- und Hautpflege verunsichern viele pflegende Angehörige. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie Körperpflege würdevoll gelingt und die Haut gesund bleibt.

8 Min Lesezeit · Aktualisiert: 9. Juli 2026

Wenn ein Mensch, den Sie lieben, sich nicht mehr allein waschen kann, wird die tägliche Körperpflege plötzlich zu Ihrer Aufgabe – und oft fühlt sich das im ersten Moment fremd an. Aus meiner eigenen Zeit als pflegende Angehörige weiß ich: Die Unsicherheit, ob man alles „richtig“ macht, sitzt tief, besonders bei so intimen Handgriffen wie dem Waschen im Bett oder der Intimpflege. Die gute Nachricht ist, dass gute Körperpflege kein medizinisches Fachwissen verlangt, sondern vor allem Ruhe, Respekt und ein paar gut eingespielte Handgriffe. Dieser Ratgeber begleitet Sie durch die wichtigsten Bereiche – vom Waschen über die Hautbeobachtung bis zu Hilfsmitteln, die Ihnen und der pflegebedürftigen Person den Alltag spürbar erleichtern. Er ergänzt unseren Überblick zur Grundpflege, in der die Körperpflege einen zentralen Baustein bildet.

Körperpflege Schritt für Schritt: Waschen, Intim-, Mund- und Haarpflege

Körperpflege ist mehr als Sauberkeit. Sie fördert das Wohlbefinden, regt die Durchblutung an, beugt Infektionen vor und ist für viele pflegebedürftige Menschen einer der wenigen verbliebenen Momente körperlicher Nähe. Planen Sie dafür bewusst Zeit ein, sorgen Sie für eine warme Raumtemperatur, geschlossene Türen und alles Nötige in Griffweite, bevor Sie beginnen. Kündigen Sie jeden Schritt an – auch bei Menschen mit Demenz, die scheinbar nicht mehr reagieren.

Waschen am Waschbecken oder im Bett

Solange es die Kräfte zulassen, ist das Waschen am Waschbecken – im Sitzen auf einem stabilen Hocker – der Bett-Wäsche vorzuziehen, weil es Selbstständigkeit und aufrechte Haltung fördert. Reichen die Kräfte nicht, erfolgt die Ganzkörperwäsche im Bett. Bewährt hat sich diese Reihenfolge, wobei Sie stets von „sauber nach unsauber“ arbeiten:

  • Gesicht mit klarem Wasser (ohne Seife rund um die Augen), dann Hals, Ohren und Nacken.
  • Arme, Hände, Brust und Bauch – Hautfalten unter den Achseln und der Brust gut abtrocknen.
  • Beine und Füße, dabei die Zehenzwischenräume sorgfältig trocknen.
  • Rücken und Gesäß – ein guter Moment, um die Haut zu beobachten.
  • Der Intimbereich zuletzt, mit einem separaten Waschlappen.

Nutzen Sie lauwarmes Wasser, wechseln Sie das Wasser bei Bedarf und verwenden Sie milde, pH-hautneutrale Waschsubstanzen sparsam. Wichtig ist gründliches, aber sanftes Abtrocknen durch Tupfen statt Reiben – Feuchtigkeit in Hautfalten ist der häufigste Auslöser von Hautproblemen.

Intimpflege mit Respekt

Die Intimpflege ist für beide Seiten der sensibelste Teil. Wahren Sie die Würde, indem Sie nur den gerade nötigen Körperbereich freilegen und den Rest zudecken. Gewaschen wird immer von vorne nach hinten, um Keime vom Darm fernzuhalten. Bei Menschen mit Inkontinenz ist nach jedem Vorlagenwechsel eine schonende Reinigung nötig, gefolgt von einem dünnen Hautschutz. Verzichten Sie auf aggressive Seifen und parfümierte Feuchttücher.

Mund- und Zahnpflege sowie Haarpflege

Die Mundpflege wird leicht vergessen, ist aber entscheidend: Ein gepflegter Mund beugt Entzündungen, Mundgeruch, Schluckproblemen und Appetitverlust vor – ein wichtiger Beitrag gegen Mangelernährung. Zähne oder Prothese werden mindestens zweimal täglich gereinigt, die Prothese über Nacht in einem Wasserbad gelagert. Die Haarpflege gelingt bettlägerigen Menschen mit speziellen aufblasbaren Waschbecken fürs Bett oder Trockenshampoo. Ein frisch gekämmtes Haar und ein rasiertes Gesicht heben das Selbstwertgefühl oft mehr, als man denkt.

Haut beobachten und schützen: Intertrigo und Dekubitus vorbeugen

Die Haut ist unser größtes Organ und im Alter dünner, trockener und verletzlicher. Jede Körperpflege ist die beste Gelegenheit, die Haut systematisch anzuschauen – gerade an Stellen, die man sonst nicht sieht. Achten Sie auf Rötungen, die nach Druckentlastung nicht verschwinden, auf Risse, Nässe, wunde Stellen und Farbveränderungen.

Intertrigo – der „Hautwolf“ in Hautfalten

Intertrigo ist eine wunde, gerötete Entzündung dort, wo Hautflächen aufeinanderliegen und ein feucht-warmes, luftarmes Klima entsteht: unter der Brust, in Leisten, Gesäß- und Bauchfalten sowie zwischen den Zehen. Vorbeugen können Sie mit einfachen Mitteln:

  • Hautfalten nach dem Waschen konsequent trocken tupfen.
  • Für Luftzirkulation sorgen und atmungsaktive Kleidung wählen.
  • Bei Bedarf saugfähige Baumwoll- oder spezielle Textilstreifen locker in die Falte legen.
  • Auf Puder und Cremes in Falten verzichten – sie verkleben und verschlimmern das Problem oft.

Der Zusammenhang mit Dekubitus

Feuchte, aufgeweichte oder bereits gereizte Haut ist deutlich anfälliger für einen Dekubitus (Druckgeschwür), das durch anhaltenden Druck auf Knochenvorsprünge wie Kreuzbein, Fersen oder Hüften entsteht. Hautpflege und Druckentlastung gehören deshalb zusammen. Der pflegewissenschaftliche Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe empfiehlt vor allem regelmäßige Bewegung und Positionswechsel, druckverteilende Hilfsmittel und den Erhalt einer intakten, gut gepflegten Haut. Praktische Hinweise finden Sie in unseren Ratgebern zur Sturzprophylaxe und Kontrakturenprophylaxe.

Die richtigen Produkte

Weniger ist mehr: Milde, pH-hautneutrale Reinigungsprodukte und rückfettende, unparfümierte Lotionen für trockene Haut genügen in aller Regel. Wasserabweisende Hautschutzcremes sind sinnvoll im Intim- und Gesäßbereich bei Inkontinenz. Bei nässenden, blutenden, stark geröteten oder schmerzenden Hautstellen, bei Verdacht auf Dekubitus oder Pilzinfektionen gilt: nicht selbst experimentieren, sondern ärztlich abklären lassen. Eine gezielte Wundversorgung fällt in den Bereich der Behandlungspflege.

Aktivierende Pflege: Ressourcen erhalten, Würde wahren

Ein Grundprinzip guter Pflege lautet: so viel Hilfe wie nötig, so wenig wie möglich. Aktivierende Pflege bedeutet, der pflegebedürftigen Person nicht alles abzunehmen, sondern sie zu begleiten und das zu tun zu lassen, was sie noch selbst kann. Wer das Gesicht selbst wäscht, den Waschlappen hält oder die Zahnbürste führt, erhält Beweglichkeit, Selbstbestimmung und Selbstwert.

  • Reichen Sie den Waschlappen an, statt sofort selbst zu waschen.
  • Geben Sie Zeit – Hektik überfordert und macht unselbstständig.
  • Fragen Sie nach Gewohnheiten: Welche Seife, welche Reihenfolge, morgens oder abends?
  • Loben Sie kleine Erfolge und vermeiden Sie Formulierungen, die bevormunden.

Würde wahren heißt auch, Schamgefühle ernst zu nehmen. Sprechen Sie die Person mit ihrem Namen an, decken Sie nur das Nötigste auf und behandeln Sie sie als erwachsenen Menschen, nicht als „Pflegefall“. Gerade wenn Angehörige die Intimpflege als sehr belastend erleben, ist es völlig legitim, diese Aufgabe an einen ambulanten Pflegedienst abzugeben. Grundlagen dazu bündelt unser Ratgeber Pflege zu Hause.

Hilfsmittel, die die Körperpflege erleichtern

Die richtigen Hilfsmittel schonen Ihren Rücken und geben der pflegebedürftigen Person Sicherheit. Viele davon werden bezuschusst. Ein Überblick über nützliche Helfer:

Hilfsmittel Nutzen
Duschhocker / Badewannenlifter Sicheres Sitzen beim Waschen, weniger Sturzgefahr
Haltegriffe an Wanne/Dusche Stütze beim Aufstehen und Hinsetzen
Pflegebett mit Höhenverstellung Rückenschonendes Arbeiten, siehe Pflegebett
Aufblasbares Kopfwaschbecken Haarwäsche im Liegen
Langstielige Schwämme, rutschfeste Matten Selbstständigkeit und Sicherheit

Bei der Finanzierung greifen zwei Wege: Technische Pflegehilfsmittel (etwa Dusch- oder Toilettenstuhl) sowie zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel wie Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen oder Desinfektionsmittel laufen über § 40 SGB XI der Pflegeversicherung. Für Verbrauchshilfsmittel übernimmt die Pflegekasse ab Pflegegrad 1 monatlich bis zu 42 Euro. Medizinisch begründete Hilfsmittel (etwa eine Antidekubitusmatratze mit ärztlicher Verordnung) können über § 33 SGB V der Krankenkasse laufen. Details und Antragswege erklären wir in den Ratgebern Pflegehilfsmittel und Pflegehilfsmittel beantragen.

Zusätzlich steht allen Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 1 der Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich nach § 45b SGB XI zu, mit dem sich etwa Unterstützung bei der Körperpflege durch Alltagshelfer finanzieren lässt. Wer noch keinen Pflegegrad hat, findet den Einstieg unter Pflegegrad beantragen. Bei Fragen zur individuellen Situation ist die kostenlose Pflegeberatung nach § 7a SGB XI eine wertvolle Anlaufstelle.

Stand und Quellen

Stand: 2026. Beträge und Rechtsgrundlagen wurden nach bestem Wissen geprüft; maßgeblich sind stets die aktuellen gesetzlichen Regelungen und die Auskunft Ihrer Pflegekasse.

Quellen: § 40 SGB XI – Pflegehilfsmittel (gesetze-im-internet.de); § 45b SGB XI – Entlastungsbetrag (gesetze-im-internet.de); § 33 SGB V – Hilfsmittel (gesetze-im-internet.de); DNQP – Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege (dnqp.de); gesund.bund.de – Druckgeschwür (Dekubitus); Bundesgesundheitsministerium – Pflege; Verbraucherzentrale – Gesundheit und Pflege.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder pflegefachliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Bei wunden Hautstellen, Verdacht auf Dekubitus, Infektionen oder anderen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt, Ihre Ärztin oder eine Pflegefachkraft.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ein pflegebedürftiger Mensch gewaschen werden?

Eine tägliche Teilwäsche von Gesicht, Händen und Intimbereich ist üblich, eine vollständige Körperwäsche nicht zwingend jeden Tag nötig. Zu häufiges Waschen mit Seife trocknet die empfindliche Altershaut aus. Wichtiger als starre Regeln sind Hautbeobachtung, Wohlbefinden und die Gewohnheiten der pflegebedürftigen Person.

Welche Produkte eignen sich für die Hautpflege in der Pflege?

Empfehlenswert sind milde, pH-hautneutrale Reinigungsprodukte und rückfettende, unparfümierte Lotionen für trockene Haut. Im Intimbereich bei Inkontinenz sind wasserabweisende Hautschutzcremes sinnvoll. Auf aggressive Seifen, Puder in Hautfalten und stark parfümierte Produkte sollte man verzichten.

Wie erkenne ich einen beginnenden Dekubitus?

Ein Warnzeichen ist eine bleibende Rötung an einem Knochenvorsprung wie Kreuzbein oder Ferse, die auch nach Druckentlastung nicht verschwindet und sich auf Fingerdruck nicht weiß färbt. Weitere Anzeichen sind Verhärtungen, Überwärmung, Blasen oder offene Stellen. Bei Verdacht sollte die Stelle druckentlastet und ärztlich abgeklärt werden.

Zahlt die Pflegekasse Pflegehilfsmittel für die Körperpflege?

Ja. Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel wie Einmalhandschuhe oder Bettschutzeinlagen werden ab Pflegegrad 1 mit bis zu 42 Euro monatlich nach § 40 SGB XI bezuschusst. Technische Hilfsmittel wie ein Duschstuhl laufen ebenfalls über die Pflegeversicherung, medizinisch verordnete Hilfsmittel über die Krankenkasse nach § 33 SGB V.

Wie wahre ich die Würde bei der Intimpflege?

Kündigen Sie jeden Schritt an, decken Sie nur den gerade nötigen Körperbereich auf und sorgen Sie für eine geschützte, warme Umgebung. Nehmen Sie Schamgefühle ernst und fördern Sie die Selbstständigkeit, wo immer möglich. Wenn die Intimpflege für Angehörige zu belastend ist, kann ein ambulanter Pflegedienst diese Aufgabe übernehmen.

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