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Pflegepraxis & Pflegewissen · 1. September 2026

Thromboseprophylaxe: Maßnahmen in der häuslichen Pflege

7 Min Lesezeit · Aktualisiert: 23. September 2026

Wer viel liegt oder sitzt, hat ein erhöhtes Risiko für eine Thrombose — ein Blutgerinnsel,
das eine Vene verschließt. In der häuslichen Pflege ist das eine der häufigsten vermeidbaren
Komplikationen. Dieser Beitrag zeigt, welche Maßnahmen wirken und welche wenig bringen.

Warum Bewegungsmangel gefährlich wird

Das Blut fließt in den Beinvenen nicht von allein zurück zum Herzen — es wird von der
Wadenmuskulatur nach oben gepumpt. Fällt diese Muskelpumpe aus, weil jemand
tagelang liegt, verlangsamt sich der Rückfluss. Kommt eine Gerinnungsneigung oder eine
Gefäßschädigung hinzu, kann sich ein Gerinnsel bilden. Löst es sich, droht eine
Lungenembolie.

Besonders gefährdet sind Menschen nach einer Operation, nach einem
Sturz mit
Operation
, bei Lähmungen, bei starkem Übergewicht sowie bei Austrocknung.

Die Maßnahmen, die wirklich etwas bringen

1. Bewegung — die wirksamste Maßnahme

Alles, was die Wadenmuskulatur aktiviert, hilft. Schon mehrmals täglich einige Minuten
genügen: Füße kreisen lassen, abwechselnd Zehen anziehen und strecken („Bettfahrrad“), im
Sitzen die Fersen heben und senken. Wer aufstehen kann, sollte das mehrmals täglich tun — auch
für kurze Strecken.

2. Ausreichend trinken

Zu wenig Flüssigkeit dickt das Blut ein. In der Pflege älterer Menschen ist das ein
Dauerthema, weil das Durstgefühl im Alter nachlässt. Eine sichtbar aufgestellte Trinkmenge und
feste Trinkzeiten helfen mehr als gute Vorsätze.

3. Kompressionsstrümpfe — richtig angewendet

Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe unterstützen den venösen Rückfluss. Entscheidend
sind zwei Dinge, die im Alltag oft schiefgehen: Sie müssen morgens vor dem Aufstehen
angezogen werden, solange die Beine nicht angeschwollen sind, und sie müssen die richtige Größe
haben. Ein zu enger Strumpf schnürt ein und schadet mehr als er nützt; ein zu weiter wirkt
nicht. Falten dürfen nicht entstehen.

4. Lagerung

Leicht erhöhte Beine unterstützen den Rückfluss. Eine Rolle unter den Knien dagegen ist
kontraproduktiv — sie knickt die Vene ab. Auch harte Kanten in der Kniekehle sollten vermieden
werden.

5. Ärztlich verordnete Medikamente

Bei erhöhtem Risiko verordnet der Arzt gerinnungshemmende Spritzen oder Tabletten. Diese
Entscheidung trifft ausschließlich der Arzt — und die Anwendung darf nicht eigenmächtig
verändert oder pausiert werden.

Woran erkennt man eine Thrombose?

Typisch ist ein Bein, das einseitig anschwillt, sich warm anfühlt, bläulich
verfärbt oder spannt; oft kommen Schmerzen in der Wade hinzu, die beim Auftreten zunehmen. Bei
pflegebedürftigen Menschen, die sich nicht äußern können, ist der Seitenvergleich das
wichtigste Werkzeug: Ein Bein, das deutlich dicker ist als das andere, gehört ärztlich
abgeklärt — am selben Tag.

⚠️ Bei plötzlicher Atemnot, Brustschmerz oder Herzrasen besteht der Verdacht auf eine
Lungenembolie. Das ist ein Notfall — 112.

Was im Pflegealltag hilft

Prophylaxe scheitert selten am Wissen, sondern an der Regelmäßigkeit. Bewährt hat sich, die
Übungen an feste Anlässe zu koppeln — vor jeder Mahlzeit, nach jedem Toilettengang. Wer ein
Pflegetagebuch führt, kann
die Maßnahmen dort mit eintragen; das hilft zugleich bei der
Begutachtung.

Verwandte Themen:
Thrombose: Ursachen und Symptome ·
Dekubitus vorbeugen ·
Sturzprophylaxe ·
Kontrakturenprophylaxe.

Wer besonders gefährdet ist

Das Risiko ist nicht bei allen gleich. Deutlich erhöht ist es nach Operationen an Hüfte oder
Knie, nach einem Knochenbruch mit Ruhigstellung, bei Lähmungen nach einem Schlaganfall, bei
Krebserkrankungen, bei starkem Übergewicht und in der Schwangerschaft. Auch bestimmte
Medikamente spielen eine Rolle. Wer schon einmal eine Thrombose hatte, trägt ein deutlich
höheres Risiko für eine zweite — dieser Punkt wird in der häuslichen Pflege oft übersehen,
weil das Ereignis Jahre zurückliegt.

Für die Praxis heißt das: Die Frage nach früheren Thrombosen gehört in jedes Erstgespräch mit
dem Pflegedienst und in jede Vorbereitung auf einen Krankenhausaufenthalt.

Der Alltag entscheidet, nicht die Theorie

Ein Beispiel aus der häuslichen Pflege: Eine 82-jährige Frau kommt nach einer
Hüftoperation nach Hause. Der Arzt hat Kompressionsstrümpfe verordnet und für vier Wochen
Spritzen. In der ersten Woche läuft alles nach Plan. Dann wird der Strumpf morgens nicht mehr
gleich angezogen, weil das Ankleiden im Sitzen leichter geht — und damit sind die Beine bereits
angeschwollen, wenn der Strumpf kommt. Er sitzt zu eng, drückt und wird abends gar nicht mehr
getragen.

Der Fehler liegt nicht im Willen, sondern in der Reihenfolge. Wer den Strumpf griffbereit
neben das Bett legt und ihn vor dem ersten Aufstehen anzieht, löst das Problem ohne zusätzlichen
Aufwand. Solche kleinen Ablaufänderungen entscheiden über den Erfolg der Prophylaxe mehr als
die Auswahl des Produkts.

Praxisbeispiel: Prophylaxe nach der Entlassung organisieren

Herr B., 76, kommt nach einer Lungenentzündung aus dem Krankenhaus. Zwei Wochen lag er fast nur, jetzt schafft er mit Rollator den Weg zur Toilette. Im Entlassungsbrief steht: Kompressionsstrümpfe Klasse II, Heparin-Spritzen für weitere zehn Tage. Seine Tochter hat drei Fragen, die sich in dieser Situation fast immer stellen.

Wer gibt die Spritzen? Die Tochter traut es sich nicht zu. Die Hausärztin verordnet häusliche Krankenpflege, und der Pflegedienst übernimmt die Injektion als Behandlungspflege. Die Krankenkasse trägt die Kosten, ein Pflegegrad ist dafür nicht nötig.

Passen die Strümpfe? Die Klinikstrümpfe waren für das Bett gedacht. Für zu Hause misst das Sanitätshaus morgens Waden- und Knöchelumfang und passt die Größe an. Der Strumpf liegt abends griffbereit neben dem Bett, damit er vor dem ersten Aufstehen angezogen wird.

Wie bleibt die Bewegung im Alltag? Die Familie koppelt die Übungen an feste Anlässe: Vor jeder Mahlzeit zehnmal Fersen heben und senken, nach jedem Toilettengang einmal bis zum Fenster und zurück. Das Trinkziel steht auf einem Zettel am Kühlschrank, und die Tochter vergleicht beim Waschen kurz beide Unterschenkel. Nach zwei Wochen läuft Herr B. wieder allein zum Briefkasten; die Spritzen sind beendet, die Strümpfe bleiben, bis die Hausärztin sie absetzt.

Checkliste für die ersten Tage zu Hause

  • Entlassungsbrief prüfen: Sind Strümpfe und Medikamente verordnet, und für wie lange?
  • Injektionen nicht selbst improvisieren: Behandlungspflege verordnen lassen, wenn niemand in der Familie geübt ist.
  • Strumpfgröße im Sanitätshaus messen lassen, Strümpfe morgens vor dem Aufstehen anziehen, Falten vermeiden.
  • Bewegung an Mahlzeiten und Toilettengänge koppeln, Trinkmenge sichtbar planen.
  • Beine täglich im Seitenvergleich ansehen; einseitige Schwellung, Schmerz oder Wärme am selben Tag ärztlich abklären lassen.
  • Frühere Thrombosen und aktuelle Blutverdünner dem Pflegedienst und jedem behandelnden Arzt nennen.

Stand und Quellen

Stand: September 2026. Die Maßnahmen folgen der S3-Leitlinie zur Prophylaxe der venösen Thromboembolie; die Bewegungsförderung dem Expertenstandard Dekubitusprophylaxe (Mobilität als Schutzfaktor).

Quellen: AWMF: S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (Reg.-Nr. 003-001), DNQP: Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege, 2. Aktualisierung (Auszug, PDF).

Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine pflegefachliche Anleitung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis, im Notfall an die 112. Was der Pflegedienst oder die Pflegekasse im Einzelfall leisten, klären Sie direkt dort.

Häufige Fragen

Reichen Stützstrümpfe aus dem Sanitätshaus?

Nein. Stützstrümpfe aus dem Handel üben einen deutlich geringeren und anders verteilten Druck
aus als medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe. Nur letztere sind für die Prophylaxe gedacht
und werden ärztlich verordnet.

Wie lange müssen die Strümpfe getragen werden?

Das legt der behandelnde Arzt fest — in der Regel so lange, wie die Beweglichkeit
eingeschränkt ist. Eigenmächtiges Absetzen ist der häufigste Grund für vermeidbare Thrombosen
nach Operationen.

Hilft viel Trinken allein?

Ausreichend Flüssigkeit ist wichtig, ersetzt die Bewegung aber nicht. Die Muskelpumpe lässt
sich durch nichts anderes ersetzen.

Stand: 1. September 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder pflegefachliche Anleitung. Maßnahmen sollten mit dem behandelnden Arzt oder dem Pflegedienst abgestimmt werden.

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