
Pflegeberatung nach § 37.3 & kostenlose Beratung nach § 7a 2026
Pflichtberatung bei Pflegegeld nach § 37.3 SGB XI und kostenlose, neutrale Beratung nach § 7a – Termine, Ablauf und neue Regeln ab 2026. Stand 2025/2026.
Den ersten Beratungstermin habe ich für meine Mutter beinahe verpasst. Der Brief der Pflegekasse lag wochenlang ungeöffnet auf dem Küchentisch, und erst als die Kasse mit einer Kürzung des Pflegegeldes drohte, wurde mir klar: Diese Beratung ist keine freundliche Empfehlung, sondern eine Pflicht.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie leicht man die beiden Beratungsformen verwechselt – die verpflichtende nach § 37 Abs. 3 und die freiwillige, kostenlose nach § 7a. Hier erkläre ich Ihnen beide klar und mit den aktuellen Regeln für 2026.
Zwei völlig unterschiedliche Beratungen – nicht verwechseln
Im Pflegealltag begegnen Ihnen zwei Paragrafen, die beide das Wort „Beratung“ tragen, aber etwas ganz Verschiedenes meinen:
- § 37 Abs. 3 SGB XI – die verpflichtenden Beratungseinsätze, wenn Sie Pflegegeld beziehen. Hier kommt jemand zu Ihnen nach Hause und schaut, ob die Pflege gut läuft.
- § 7a SGB XI – die kostenlose, neutrale und unabhängige Pflegeberatung, auf die Sie einen Anspruch haben und die Sie freiwillig in Anspruch nehmen können.
Beide ergänzen sich – aber nur die erste ist Pflicht, und nur bei ihr droht eine finanzielle Folge, wenn Sie sie versäumen.
Pflichtberatung nach § 37 Abs. 3 SGB XI
Wer Pflegegeld bezieht und sich zu Hause selbst oder durch Angehörige pflegen lässt, muss regelmäßig einen Beratungseinsatz abrufen. Eine Pflegefachkraft kommt nach Hause, prüft die Pflegesituation, gibt praktische Tipps und dokumentiert den Besuch für die Pflegekasse.
Das ist ausdrücklich keine Kontrolle „gegen“ Sie, sondern eine Unterstützung, die Überlastung und Pflegefehler früh erkennen soll. Die Kosten trägt die Pflegekasse – für Sie ist der Einsatz also kostenlos. Wichtig ist nur, dass Sie ihn fristgerecht abrufen.
Aus meiner eigenen Erfahrung lohnt es sich, den Termin nicht als bloße Formalität abzuhaken. Die Pflegefachkraft sieht in wenigen Minuten Dinge, die im Alltag untergehen: eine Stolperkante im Flur, einen falsch eingestellten Pflegebett-Griff, eine drohende Überlastung der pflegenden Person.
Stellen Sie ruhig konkrete Fragen – etwa zur richtigen Lagerung, zur Hautpflege oder zu Hilfsmitteln. Viele Familien nutzen den Besuch außerdem, um sich zu vergewissern, dass sie alle ihnen zustehenden Leistungen tatsächlich abrufen.
Seit 1. Januar 2026: einheitlicher Halbjahresrhythmus
Früher hingen die Abstände vom Pflegegrad ab. Seit dem 1. Januar 2026 gilt ein einheitlicher Rhythmus: Für die Pflegegrade 2 bis 5 ist der Beratungseinsatz halbjährlich verpflichtend.
Bei den Pflegegraden 4 und 5 ist zusätzlich ein vierteljährlicher Einsatz möglich – dieser zusätzliche Termin ist freiwillig. Bis Ende 2025 war er dort noch Pflicht. So sieht die Regel im Überblick aus:
| Pflegegrad | Verpflichtender Beratungseinsatz | Freiwillig zusätzlich |
|---|---|---|
| Pflegegrad 1 | keine Pflicht, aber halbjährlich ein Anspruch auf Beratung | – |
| Pflegegrad 2 | halbjährlich | – |
| Pflegegrad 3 | halbjährlich | – |
| Pflegegrad 4 | halbjährlich | vierteljährlich (freiwillig) |
| Pflegegrad 5 | halbjährlich | vierteljährlich (freiwillig) |
Ein Hinweis, der oft untergeht: Auch wer Pflegesachleistungen von einem ambulanten Pflegedienst bezieht, kann halbjährlich eine solche Beratung zu Hause anfordern. Eine Pflicht ist das nicht.
Wer darf den Beratungseinsatz durchführen?
Die Auswahl ist größer, als viele denken. Den Einsatz übernehmen dürfen:
- zugelassene ambulante Pflegedienste,
- Beratungsstellen, die der Landesverband der Pflegekassen als neutral und unabhängig anerkannt hat,
- einzelne Pflegefachpersonen, die dafür beauftragt sind,
- Pflegeberaterinnen und Pflegeberater nach § 7a SGB XI,
- Beratungspersonen einer Kommune, sofern sie die nötige pflegefachliche Kompetenz mitbringen.
Sie haben also die freie Wahl. Der Pflegedienst, der Sie ohnehin versorgt, muss den Einsatz nicht übernehmen. Und wenn Sie mit einem Besuch unzufrieden waren, können Sie beim nächsten Mal jemand anderen beauftragen (§ 37 Abs. 4, 7 und 8 SGB XI).
Die Beratungsperson bestätigt den Einsatz gegenüber Ihrer Pflegekasse. Ihre Beobachtungen zur Pflegesituation darf sie der Kasse nur weitergeben, wenn Sie einwilligen.
Beratung per Videokonferenz
Sie müssen nicht zu jedem Termin jemanden in die Wohnung lassen. Auf Ihren Wunsch darf jede zweite Beratung als Videokonferenz stattfinden. Diese Möglichkeit ist bis zum 31. März 2027 befristet.
Der erste Termin muss aber immer bei Ihnen zu Hause stattfinden (§ 37 Abs. 3 SGB XI). Gerade beim Einstieg ist das auch sinnvoll: Vieles an der Wohnsituation lässt sich per Bildschirm kaum beurteilen.
Was passiert, wenn Sie den Einsatz versäumen?
Versäumen Sie einen verpflichtenden Beratungseinsatz, muss die Pflegekasse das Pflegegeld angemessen kürzen – im Wiederholungsfall entzieht sie es ganz, bis der Einsatz nachgeholt ist (§ 37 Abs. 6 SGB XI).
Mein Rat aus eigener Erfahrung: Tragen Sie sich die Termine fest in den Kalender ein und vereinbaren Sie den nächsten am besten gleich beim laufenden Besuch.
Kostenlose, neutrale Beratung nach § 7a SGB XI
Ganz anders die Beratung nach § 7a: Sie ist freiwillig, kostenlos und – das ist entscheidend – neutral und unabhängig. Jede pflegebedürftige Person hat einen gesetzlichen Anspruch auf einen Pflegeberater, der mit ihr gemeinsam einen individuellen Versorgungsplan erstellt.
Dabei geht es um die großen Fragen: Welche Leistungen stehen zu? Wie lassen sich Pflegesachleistungen und Pflegegeld als Kombinationsleistung sinnvoll mischen? Welche Hilfen entlasten die Familie?
Weil diese Beratung neutral ist, verfolgt der Berater kein eigenes wirtschaftliches Interesse – er will Ihnen also keinen bestimmten Pflegedienst „verkaufen“. Sie können den Termin bei Ihrer Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt anfordern, auf Wunsch auch bei Ihnen zu Hause.
Gerade am Anfang einer Pflegesituation lohnt sich der Termin: Der Pflegeberater sortiert mit Ihnen, welche Anträge wann sinnvoll sind, wie der Entlastungsbetrag funktioniert und wie sich eine Kurzzeitpflege mit anderen Leistungen verbinden lässt. Wie Sie den Termin bekommen, was im Versorgungsplan steht und welche Rolle die Pflegestützpunkte spielen, lesen Sie im Ratgeber zur kostenlosen Pflegeberatung nach § 7a.
Pflegegrad beantragt oder Bescheid erhalten?
Der Pflegegrad-Begleiter erinnert Sie per E-Mail an das, was gerade ansteht – die Vorbereitung der Begutachtung, die Entscheidungsfrist der Pflegekasse und die Widerspruchsfrist nach dem Bescheid. Kostenlos anmelden:
Ein Praxisbeispiel: Familie Yıldız ordnet die Lage
Als Herr Yıldız nach einem Schlaganfall Pflegegrad 3 erhielt, bezog die Familie zunächst nur das Pflegegeld – und versäumte beinahe den ersten Pflichtbesuch nach § 37.3. Beim nachgeholten Termin riet die Pflegefachkraft der Familie, zusätzlich eine neutrale Beratung nach § 7a anzufordern.
Dort stellte sich heraus, dass der Familie ein Entlastungsbetrag und Anspruch auf Verhinderungspflege zustanden, die sie bis dahin gar nicht genutzt hatte. Aus zwei scheinbar lästigen Terminen wurde so eine spürbare Entlastung im Alltag.
So holen Sie das Beste aus beiden Beratungen heraus
Behandeln Sie den Pflichteinsatz nach § 37.3 nicht als Pflicht, die man hinter sich bringt, sondern als kostenlose Fachmeinung direkt in Ihrem Zuhause. Und nutzen Sie die neutrale Beratung nach § 7a aktiv, um den Überblick über alle Leistungen zu bekommen.
Ein gut gemachter Überblick über die Pflegegrade hilft Ihnen, die Gespräche vorzubereiten. Notieren Sie sich vorab Ihre Fragen, dann verlieren Sie keinen Anspruch.
Bewahren Sie außerdem die Bestätigungen der Beratungseinsätze gut auf und tragen Sie die nächsten Termine direkt in Ihren Kalender ein. Wenn Sie ohnehin einen ambulanten Pflegedienst beschäftigen, fragen Sie dort, ob er die Pflichteinsätze nach § 37.3 mit übernimmt – das spart Wege und sorgt dafür, dass keine Frist verstreicht.
Und scheuen Sie sich nicht, bei Unzufriedenheit eine zweite Meinung einzuholen: Sowohl beim Pflegedienst für den Pflichteinsatz als auch bei der neutralen Beratung haben Sie die freie Wahl. Eine gute Beratung erkennen Sie daran, dass sie Ihnen zuhört, Ihre konkrete Situation aufnimmt und Ihnen am Ende klare, nachvollziehbare nächste Schritte an die Hand gibt.
Stand: September 2026. Quellen: § 37 SGB XI; § 7a SGB XI; Bundesgesundheitsministerium (BMG); Verbraucherzentrale.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Maßgeblich sind im Einzelfall die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen und die Auskunft Ihrer Pflegekasse oder eines Pflegestützpunkts.
Die wichtigsten Grundlagen für pflegende Angehörige bündelt unser Ratgeber Pflege-Grundwissen für Angehörige.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen § 37.3 und § 7a SGB XI?
Der Beratungseinsatz nach § 37 Abs. 3 SGB XI ist verpflichtend, wenn Sie Pflegegeld beziehen, und wird von einer Pflegefachkraft zu Hause durchgeführt. Die Beratung nach § 7a SGB XI ist freiwillig, kostenlos und neutral – ein Pflegeberater erstellt mit Ihnen einen individuellen Versorgungsplan.
Wer darf die Pflegeberatung nach § 37.3 durchführen?
Zugelassene ambulante Pflegedienste, anerkannte neutrale Beratungsstellen und beauftragte Pflegefachpersonen dürfen den Beratungseinsatz übernehmen. Ebenso möglich sind Pflegeberaterinnen und Pflegeberater nach § 7a SGB XI sowie Beratungspersonen einer Kommune mit pflegefachlicher Kompetenz. Sie wählen frei, wen Sie beauftragen – auch unabhängig von dem Pflegedienst, der Sie versorgt.
Wie oft ist die Pflichtberatung nach § 37.3 fällig?
Seit dem 1. Januar 2026 gilt für die Pflegegrade 2 bis 5 ein einheitlicher halbjährlicher Beratungseinsatz. Bei den Pflegegraden 4 und 5 ist zusätzlich ein vierteljährlicher Einsatz möglich, dieser ist jedoch freiwillig. Pflegegrad 1 hat keine Pflicht, aber halbjährlich einen Anspruch auf Beratung.
Kann der Beratungsbesuch auch per Video stattfinden?
Auf Ihren Wunsch darf jede zweite Beratung als Videokonferenz laufen; diese Regelung gilt bis zum 31. März 2027. Der erste Termin muss dagegen immer bei Ihnen zu Hause stattfinden. Für die Technik gelten dieselben Anforderungen wie für Videosprechstunden beim Arzt.
Was passiert, wenn ich den Beratungseinsatz versäume?
Versäumen Sie einen verpflichtenden Beratungseinsatz nach § 37.3, muss die Pflegekasse das Pflegegeld angemessen kürzen. Im Wiederholungsfall wird es ganz entzogen, bis der Einsatz nachgeholt ist. Holen Sie versäumte Termine deshalb zügig nach.
Kostet die Pflegeberatung etwas?
Nein. Den Beratungseinsatz nach § 37.3 zahlt die Pflegekasse, für Sie ist er kostenlos. Auch die neutrale Beratung nach § 7a ist kostenlos – sie ist ein gesetzlicher Anspruch jeder pflegebedürftigen Person.
Wer führt die Beratung nach § 7a durch und ist sie neutral?
Die Beratung nach § 7a führt ein Pflegeberater der Pflegekasse oder eines Pflegestützpunkts durch. Sie ist ausdrücklich neutral und unabhängig – der Berater verfolgt kein eigenes wirtschaftliches Interesse und empfiehlt keinen bestimmten Anbieter.