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Uhrentest bei Demenz: Anleitung, Auswertung & PDF-Vorlage
Krankheitsbilder · 6. Juli 2026

Uhrentest bei Demenz: Anleitung, Auswertung & PDF-Vorlage

Der Uhrentest ist eines der bekanntesten Screening-Verfahren bei Demenz-Verdacht: Anleitung Schritt für Schritt, Auswertung nach Shulman (Score 1–6, ab 3 auffällig), Stärken und Grenzen – mit kostenloser PDF-Druckvorlage.

8 Min Lesezeit · Aktualisiert: 6. Juli 2026

Stand: Juli 2026. Der Uhrentest – englisch „Clock Drawing Test“ – gehört zu den bekanntesten Kurztests bei Verdacht auf eine Demenz. Die Aufgabe klingt denkbar einfach: eine Uhr zeichnen und eine vorgegebene Uhrzeit eintragen. Doch gerade weil diese vertraute Alltagshandlung mehrere Hirnleistungen gleichzeitig fordert, reagiert der Test empfindlich auf beginnende kognitive Störungen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie der Uhrentest Schritt für Schritt durchgeführt wird, wie die Auswertung nach Shulman funktioniert und wo die Grenzen des Verfahrens liegen. Eine kostenlose Druckvorlage zum Ausdrucken finden Sie unten auf dieser Seite.

Wichtig vorab: Der Uhrentest ist ein reines Screening-Verfahren und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnostik. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht automatisch eine Demenz – und ein unauffälliges Ergebnis schließt sie nicht sicher aus. Die Abklärung und Diagnose gehören in die Hände von Hausärzten, Fachärzten für Neurologie oder Psychiatrie und spezialisierten Gedächtnisambulanzen.

Was ist der Uhrentest?

Der Uhrentest ist ein kognitiver Kurztest, der seit den 1990er-Jahren weltweit in Hausarztpraxen, Kliniken und im geriatrischen Basisassessment eingesetzt wird. Am weitesten verbreitet ist die Variante des kanadischen Psychiaters Kenneth Shulman aus dem Jahr 1993, nach dem auch das gängigste Auswertungsschema benannt ist. Der Test dauert nur wenige Minuten, benötigt lediglich Papier und Stift und wird in der Praxis fast immer mit weiteren Verfahren wie dem Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder dem DemTect kombiniert. Einen Überblick über alle gängigen Verfahren gibt unser Ratgeber Demenz-Tests im Überblick.

Was misst der Uhrentest?

Eine Uhr aus dem Gedächtnis zu zeichnen fordert mehrere kognitive Fähigkeiten auf einmal. Zum einen die visuokonstruktiven Funktionen: Die zwölf Ziffern müssen räumlich richtig angeordnet und die Proportionen des Zifferblatts eingehalten werden. Zum anderen die exekutiven Funktionen, also Planen und abstraktes Denken: Die Ansage „10 nach 11“ muss in die richtige Zeigerstellung übersetzt werden. Genau hier liegt eine bewusst eingebaute Falle – die gehörte Zahl „10“ verleitet dazu, den Minutenzeiger auf die Ziffer 10 statt auf die 2 zu setzen. Solche Fehler deuten auf Probleme im abstrakten Denken hin, wie sie für beginnende Demenzerkrankungen typisch sind. Daneben spielen Gedächtnis, Konzentration und das Verstehen der Aufgabenstellung eine Rolle.

Uhrentest durchführen: Anleitung für Angehörige

Sie können den Uhrentest zu Hause als erste Orientierung durchführen. Wichtig ist eine ruhige, entspannte Situation ohne Prüfungscharakter. Aus unserer eigenen Pflegeerfahrung wissen wir, wie schnell sich ältere Menschen bei solchen Aufgaben kontrolliert oder bloßgestellt fühlen – ein beiläufiger, freundlicher Rahmen („Magst du mal etwas mit mir ausprobieren?“) ist deshalb die halbe Miete.

  • Vorbereitung: Legen Sie ein Blatt mit einem leeren Kreis von etwa zehn Zentimetern Durchmesser bereit – dafür können Sie unsere Druckvorlage unten auf dieser Seite verwenden – dazu einen Stift. Brille nicht vergessen, Armbanduhren und Wanduhren außer Sichtweite.
  • Schritt 1: Bitten Sie die Person: „Schreibe bitte die Zahlen einer Uhr so in den Kreis, wie sie auf einem Zifferblatt stehen.“ Geben Sie keine Hilfestellung und kommentieren Sie nichts.
  • Schritt 2: Anschließend folgt die zweite Aufgabe: „Zeichne nun die Zeiger so ein, dass die Uhr 10 nach 11 anzeigt.“
  • Beobachten: Lassen Sie sich Zeit geben, korrigieren Sie nicht. Notieren Sie, wie sicher und flüssig die Person arbeitet und ob sie zögert oder mehrfach ansetzt.
  • Aufbewahren: Versehen Sie das Blatt mit dem Datum. So haben Sie für einen späteren Arzttermin ein konkretes Dokument – und einen Vergleichswert, falls Sie den Test nach einigen Monaten wiederholen.

Auswertung nach Shulman: der Score von 1 bis 6

Für die Auswertung hat sich die sechsstufige Skala nach Shulman durchgesetzt. Sie funktioniert wie Schulnoten: 1 ist das beste Ergebnis, 6 das schlechteste. Ab einem Score von 3 gilt der Test als auffällig und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Score Bedeutung Einordnung
1 Perfekte Uhr: Ziffern 1–12 richtig platziert, Uhrzeit korrekt eingezeichnet unauffällig
2 Leichte visuell-räumliche Fehler, z. B. ungleichmäßige Abstände der Ziffern unauffällig
3 Uhrzeit fehlerhaft bei erhaltener Darstellung des Zifferblatts, z. B. nur ein Zeiger auffällig – abklären lassen
4 Mittelgradige Desorganisation: korrektes Einzeichnen der Uhrzeit nicht mehr möglich auffällig – abklären lassen
5 Schwergradige visuell-räumliche Desorganisation deutlich auffällig
6 Keine erkennbare Darstellung einer Uhr deutlich auffällig

Gut zu wissen: International sind auch andere Auswertungsschemata mit abweichenden Punktwerten in Gebrauch; in Deutschland hat sich die hier beschriebene sechsstufige Shulman-Skala als Standard etabliert. Zwischen Score 2 und 3 gibt es zudem eine Grauzone, in der auch geübte Untersucher unterschiedlich urteilen. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel ärztlich abklären lassen als einmal zu wenig.

Ein Beispiel aus der Praxis

Renate M., 78, verlegt seit Monaten Schlüssel und Termine, wiegelt aber ab: „Das ist doch das Alter.“ Ihre Tochter schlägt ihr den Uhrentest als kleines Spiel am Küchentisch vor. Renate schreibt die Ziffern zügig auf – allerdings gedrängt in die rechte Hälfte des Kreises, die 12 sitzt schief. Bei der Uhrzeit setzt sie den Minutenzeiger auf die 10 statt auf die 2. Nach der Shulman-Skala entspricht das etwa einem Score von 4. Die Tochter nimmt das Blatt mit zur Hausärztin, die einen MMST ergänzt und an eine Gedächtnisambulanz überweist. Dort wird eine beginnende Alzheimer-Demenz festgestellt. So schwer die Diagnose wiegt: Durch die frühe Abklärung konnten Behandlung, Vollmachten und der Pflegegrad-Antrag rechtzeitig auf den Weg gebracht werden.

Stärken und Grenzen des Uhrentests

Die Stärken liegen auf der Hand: Der Test ist schnell, kostenlos, ohne Fachwissen durchführbar und weniger sprach- und bildungsabhängig als viele Fragetests. Als Verlaufsdokumentation mit Datum ist er zudem ein wertvoller Anhaltspunkt für den Arzt.

Genauso klar sind die Grenzen. Der Uhrentest ist kein Diagnose-Instrument und darf nie allein stehen. Sehr frühe Stadien einer Demenz können unentdeckt bleiben, weil einfache Uhren auch mit ersten Defiziten noch gelingen. Umgekehrt können Sehstörungen, Händezittern (etwa bei Parkinson), eine Depression oder schlicht Nervosität das Ergebnis verschlechtern, ohne dass eine Demenz vorliegt. Der Test misst vor allem visuokonstruktive und exekutive Funktionen – das Gedächtnis selbst prüft er nur am Rande. Deshalb kombinieren Ärzte ihn mit Verfahren wie dem MMST, und die S3-Leitlinie „Demenzen“ sieht Screening-Tests generell nur als ersten Baustein einer vollständigen Diagnostik mit Anamnese, Laborwerten und Bildgebung.

Auffälliges Ergebnis – was jetzt?

Zunächst: Ruhe bewahren. Hinter einem auffälligen Uhrentest können auch behandelbare Ursachen stecken, etwa Medikamenten-Nebenwirkungen, eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Depression. Der erste Weg führt zur Hausarztpraxis – nehmen Sie das Testblatt und Notizen zu weiteren Beobachtungen mit. Welche Anzeichen dabei wichtig sind, lesen Sie in unserem Ratgeber zu den Demenz-Symptomen. Von dort geht es bei Bedarf weiter zu Fachärzten oder in eine Gedächtnisambulanz.

Bestätigt sich eine Demenz, sollten Sie früh an die pflegerische und finanzielle Seite denken: Unser Ratgeber Pflegegrad bei Demenz erklärt, welche Einstufung realistisch ist – eine erste Einschätzung liefert der Pflegegrad-Rechner. Wie Sie den Alltag gestalten und sich selbst entlasten, zeigt der Beitrag Pflege bei Demenz. Aus unserer eigenen Pflegeerfahrung können wir nur ermutigen, diese Schritte nicht aufzuschieben: Je früher Diagnose und Anträge stehen, desto mehr Unterstützung kommt tatsächlich im Alltag an.

Stand und Quellen

Stand: Juli 2026. Quellen: S3-Leitlinie „Demenzen“ (Living Guideline), AWMF-Reg.-Nr. 038-013, DGPPN/DGN; Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Infoblatt 3 – Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit und anderer Demenzerkrankungen (PDF); Bundesministerium für Gesundheit: Online-Ratgeber Demenz. Alle Angaben ohne Gewähr; dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnostik.

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Leerer Kreis, Schritt-für-Schritt-Anleitung und Beobachtungspunkte — einfach ausdrucken und zum nächsten Arzttermin mitnehmen.

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Häufige Fragen

Ab welchem Score ist der Uhrentest auffällig?

Nach der verbreiteten Auswertung von Shulman wird der Uhrentest wie mit Schulnoten von 1 (perfekte Uhr) bis 6 (keine erkennbare Uhr) bewertet. Ab einem Score von 3 gilt das Ergebnis als auffällig und sollte ärztlich abgeklärt werden – zum Beispiel beim Hausarzt oder in einer Gedächtnisambulanz.

Kann man mit dem Uhrentest eine Demenz sicher feststellen?

Nein. Der Uhrentest ist ein Screening-Verfahren, das lediglich Hinweise auf kognitive Störungen liefert. Ein auffälliges Ergebnis kann auch andere Ursachen haben (etwa Sehprobleme, Depression oder Nervosität), und frühe Demenzstadien können unentdeckt bleiben. Die Diagnose erfordert immer eine vollständige ärztliche Untersuchung mit weiteren Tests, Laborwerten und meist Bildgebung.

Warum wird beim Uhrentest ausgerechnet die Uhrzeit „10 nach 11“ verwendet?

Die Vorgabe „10 nach 11“ ist bewusst gewählt: Die gehörte Zahl 10 verleitet dazu, den Minutenzeiger fälschlich auf die Ziffer 10 statt auf die 2 zu setzen. Wer die Aufgabe richtig löst, muss die Ansage abstrakt in die Zeigerstellung übersetzen – genau diese exekutive Denkleistung ist bei beginnender Demenz häufig früh gestört. Außerdem werden beide Hälften des Zifferblatts genutzt.

Wie oft darf man den Uhrentest wiederholen?

Der Uhrentest eignet sich gut zur Verlaufsbeobachtung, etwa im Abstand von sechs bis zwölf Monaten. Bewahren Sie die datierten Testblätter auf, um Veränderungen sichtbar zu machen. Bei einem auffälligen Ergebnis sollten Sie aber nicht auf die nächste Wiederholung warten, sondern zeitnah ärztlichen Rat einholen.

Was kostet der Uhrentest beim Arzt?

Für Sie als Patient in der Regel nichts: Besteht ein begründeter Verdacht auf kognitive Störungen, ist der Uhrentest Teil der ärztlichen Demenzdiagnostik und wird von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Zu Hause brauchen Sie ohnehin nur Papier und Stift – zum Beispiel unsere kostenlose Druckvorlage auf dieser Seite.

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