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Antidekubitusmatratze: Wann sie hilft und wer zahlt
Pflegehilfsmittel · 25. Juni 2026

Antidekubitusmatratze: Wann sie hilft und wer zahlt

Antidekubitusmatratze gegen Druckgeschwüre: Wechseldruck oder Weichlagerung, bei welchem Risiko sie hilft, Verordnung und Kostenübernahme.

Andreas Rothermund
6 Min Lesezeit

Eine Antidekubitusmatratze kann Menschen, die viel liegen, vor schmerzhaften Druckgeschwüren bewahren. Stand: 2025/2026. Wer bettlägerig ist oder die Liegeposition nicht selbst verändern kann, hat ein erhöhtes Risiko für einen sogenannten Dekubitus – eine Wunde, die durch anhaltenden Druck auf Haut und Gewebe entsteht. Spezielle Matratzen verteilen den Druck oder wechseln ihn gezielt und entlasten gefährdete Körperstellen. Dieser Ratgeber erklärt die Systeme, das passende Anwendungsgebiet und die Kostenübernahme.

Wechseldruck oder Weichlagerung?

Es gibt zwei grundlegende Prinzipien, mit denen Antidekubitusmatratzen den Auflagedruck reduzieren. Welches geeignet ist, hängt vom Risiko und dem Zustand der Haut ab.

System Funktionsweise Geeignet bei
Wechseldruckmatratze Luftkammern füllen und entleeren sich abwechselnd – der Druckpunkt wandert ständig Mittlerem bis hohem Risiko, bestehendem Dekubitus
Weichlagerungsmatratze (Statisch) Weiches Material verteilt den Druck großflächig, ohne bewegliche Teile Geringem bis mittlerem Risiko, ruhiges Liegen

Wechseldrucksysteme arbeiten mit einer Pumpe und sind besonders wirksam, wenn die Person sich kaum selbst bewegt. Weichlagerungsmatratzen sind leiser und ohne Technik, eignen sich aber eher bei niedrigerem Risiko. Welches System sinnvoll ist, entscheidet die Pflegefachkraft oder der Arzt anhand einer Risikoeinschätzung. Manche Menschen empfinden das leise Pumpgeräusch und die ständige Bewegung der Wechseldruckmatratze anfangs als ungewohnt; in solchen Fällen kann eine Weichlagerung die bessere Wahl sein, sofern das Risiko es zulässt.

Bei beiden Systemen ist die richtige Einstellung entscheidend. Wechseldruckmatratzen lassen sich häufig auf das Körpergewicht einstellen – ein zu hoher Druck hebt die Entlastung wieder auf, ein zu niedriger lässt die Person bis auf den Bettrahmen durchsinken. Die Einweisung durch das Sanitätshaus stellt sicher, dass das System von Anfang an korrekt arbeitet.

Bei welchem Dekubitusrisiko hilft sie?

Eine Antidekubitusmatratze ersetzt nicht die Lagerung und Bewegung, sondern ergänzt sie. Sie ist sinnvoll, wenn ein erhöhtes Risiko besteht – etwa bei Bettlägerigkeit, eingeschränkter Eigenbewegung, Lähmungen, starkem Über- oder Untergewicht oder bereits bestehenden Druckstellen. Pflegefachkräfte nutzen zur Einschätzung standardisierte Skalen wie die Braden- oder Norton-Skala, die verschiedene Risikofaktoren zusammenfassen.

Frühe Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen: anhaltende Rötungen über Knochenvorsprüngen wie Steiß, Fersen oder Ellenbogen, die sich auf Fingerdruck nicht wegdrücken lassen, sind oft die erste Stufe eines Dekubitus. Wer solche Stellen bemerkt, sollte umgehend Arzt oder Pflegedienst informieren – je früher gegengesteuert wird, desto besser lässt sich eine offene Wunde verhindern.

Ein Beispiel: Herr S., 78, liegt nach einem Oberschenkelbruch weitgehend im Bett und kann sich kaum drehen. Die Pflegefachkraft stellte ein erhöhtes Dekubitusrisiko fest. Der Hausarzt verordnete eine Wechseldruckmatratze, die nun den Druck fortlaufend umverteilt. Ergänzend lagern die Angehörigen Herrn S. regelmäßig um. Mehr zu Entstehung, Stadien und Vorbeugung lesen Sie im Ratgeber Dekubitus.

Was die Matratze allein nicht leisten kann

So hilfreich eine Antidekubitusmatratze ist – sie ist nur ein Baustein der Dekubitusprophylaxe. Ebenso wichtig bleiben regelmäßiges Umlagern nach einem festen Plan, sorgfältige Hautbeobachtung, eine gute Hautpflege sowie eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit und Nährstoffen. Eine geschwächte, unterversorgte Haut ist anfälliger für Druckschäden, unabhängig von der Matratze.

Auch kleine Dinge zählen: Falten im Laken, Krümel oder harte Gegenstände im Bett erzeugen punktuellen Druck und können trotz guter Matratze zu Hautschäden führen. Pflegende sollten das Bett deshalb glatt und sauber halten und bei jedem Lagerungswechsel kurz die gefährdeten Stellen kontrollieren. Erst im Zusammenspiel dieser Maßnahmen entfaltet die Matratze ihre volle Schutzwirkung.

Verordnung und Kostenträger

Die Antidekubitusmatratze ist im Hilfsmittelverzeichnis gelistet. Dient sie der Behandlung oder Vermeidung eines Druckgeschwürs aus medizinischen Gründen, ist die Krankenkasse nach § 33 SGB V zuständig. Sie benötigen eine ärztliche Verordnung (Rezept), auf der die Diagnose und das benötigte System vermerkt sind. Steht die Erleichterung der häuslichen Pflege im Vordergrund, kann die Pflegekasse nach § 40 SGB XI übernehmen.

Die Matratze wird in der Regel leihweise über ein Sanitätshaus gestellt, das auch Pumpe, Einweisung und Wartung übernimmt. Den genauen Weg beschreibt der Ratgeber Pflegehilfsmittel beantragen; eine Einordnung in die Gerätegruppen gibt die Seite zu technischen Pflegehilfsmitteln. Häufig kommt die Matratze gemeinsam mit einem Pflegebett ins Haus, weil beide aufeinander abgestimmt werden.

Eigenanteil und Kosten

Wird die Matratze über die Krankenkasse als Leihgerät gestellt, fällt die gesetzliche Zuzahlung von 10 %, mindestens 5 und höchstens 10 Euro an; über die Pflegekasse beträgt der Eigenanteil 10 %, höchstens 25 Euro. Eine Zuzahlungsbefreiung ist bei Erreichen der Belastungsgrenze möglich.

Beim Privatkauf reicht die Preisspanne je nach Qualität von ca. 80 bis 800 Euro; einfache Auflagen sind günstig, halten aber medizinischen Ansprüchen oft nicht stand. Da die Auswahl des richtigen Systems, die Einweisung und die Wartung über das Sanitätshaus inbegriffen sind, ist der Bezug über die Kasse meist die bessere Wahl.

Lassen Sie sich nicht von vermeintlichen Schnäppchen aus dem Onlinehandel verleiten. Sehr günstige Wechseldruckauflagen erreichen den nötigen Entlastungsgrad oft nicht und können bei echtem Dekubitusrisiko sogar schaden, wenn sie ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln. Im Zweifel ist eine fachlich verordnete Leihmatratze die sichere und in der Regel kostengünstigere Lösung.

Praktisch ist außerdem, dass bei der Leihversorgung der Service mitläuft: Defekte Pumpen werden ausgetauscht, und ändert sich das Risiko, lässt sich das System anpassen oder gegen ein anderes wechseln. Diese Flexibilität ist ein wichtiger Vorteil gegenüber einem einmaligen Kauf, denn der Pflegebedarf entwickelt sich häufig weiter und stellt nach einigen Monaten andere Anforderungen.

Fazit

Eine Antidekubitusmatratze senkt das Risiko schmerzhafter Druckgeschwüre – als Wechseldruck- oder Weichlagerungssystem, abgestimmt auf das individuelle Risiko. Bei medizinischer Notwendigkeit übernimmt die Krankenkasse die Kosten gegen geringe Zuzahlung, und das Sanitätshaus stellt das Gerät leihweise. Wichtig bleibt: Die Matratze ergänzt regelmäßige Umlagerung und gute Hautpflege, ersetzt sie aber nicht.

Häufige Fragen

Wechseldruck- oder Weichlagerungsmatratze – was ist besser?

Wechseldruckmatratzen eignen sich bei mittlerem bis hohem Risiko und bestehendem Dekubitus, Weichlagerungsmatratzen bei geringerem Risiko. Die Pflegefachkraft oder der Arzt entscheidet anhand einer Risikoeinschätzung.

Wer zahlt die Antidekubitusmatratze?

Bei medizinischer Notwendigkeit die Krankenkasse nach § 33 SGB V, sonst die Pflegekasse nach § 40 SGB XI. Sie wird meist leihweise über ein Sanitätshaus gestellt.

Brauche ich ein Rezept?

Ja, für die Übernahme durch die Krankenkasse ist eine ärztliche Verordnung nötig, auf der Diagnose und benötigtes System vermerkt sind. Das Sanitätshaus unterstützt beim Antrag.

Ersetzt die Matratze das Umlagern?

Nein. Sie senkt das Risiko, ersetzt aber nicht die regelmäßige Umlagerung, Bewegung und Hautpflege. Beides zusammen schützt am besten vor Druckgeschwüren.

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